Letzte Aktualisierung:  07.02.2010

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Erstellt von: W.Zimmermann

Hilfen

 

„Wenn Deine Eltern sterben, verlierst Du

Deine Vergangenheit; wenn Dein Kind stirbt

verlierst Du deine Zukunft.“   ( Elliot Luby)

 

Die folgenden Seiten sollen Ihnen helfen

Antworten auf Fragen zu finden, die oftmals bestehen

 und von nichtbetroffenen Eltern oder Angehörigen

 nicht beantwortet werden können.

Vom Umgang mit der Trauer über den Verlust eines Kindes

Wie tief Dein Kummer auch sein mag. Du bist nicht alleine.

Andere haben Ähnliches erlebt und werden

die Last mit Dir tragen, wenn Du sie nur lässt.

Gib Ihnen dazu Gelegenheit

(Amy Hillard Jensen)

Die meisten von uns lernen Trauer dadurch kennen, daß sie einen geliebten Menschen verlieren. Wenn wir den Tod geliebter Eltern betrauern, so sind wir für gewöhnlich in der Lage, diesen Tod als eine letzte Phase des Lebens zu akzeptieren. Der Tod eines Kindes dagegen erscheint uns unakzeptabel. Wenn ein Kind stirbt, zerstört dies nicht nur unsere Hoffnung und Träume für die Zukunft, sondern zwingt uns zugleich uns einem Ereignis zu stellen, das wir nicht zu akzeptieren bereit sind. Viele Menschen bezweifeln dann, daß das Leben jemals wieder einen Sinn bekommen wird. Bedenke: Erholung braucht Zeit.

Es gibt weder einen richtigen noch einen falschen Weg im Umgang mit Trauer. Jeder von uns muß seinen Weg im Umgang mit ihr finden. Es gibt allerdings bestimmte, häufig wiederkehrende Verhaltensmuster im Verlaufe des Trauerprozesses. Andere Menschen haben Verluste erlitten und tiefe Trauer erlebt – und haben überlebt. Für Euch als Eltern ist von entscheidender Bedeutung, daß Ihr nicht alleine seid. Andere Menschen machen sich Sorgen um Euch und sind bereit und in der Lage, zu helfen.

Stadien der Trauer

Oft sind die ersten Reaktionen, die dem Tod eines Kindes folgen: Schock, Nicht-Glauben-Können, Leugnung oder Erstarrung. Viele Eltern haben den Eindruck, als befänden sie sich während der ersten Wochen nach dem  Tod ihres Kindes „in einem Nebel“; zuerst scheinen sie nur „Beobachter“ all dessen zu sein, was da vor sich geht. Diese Reaktionen sind Hilfsmittel der Natur, die beim Umgang mit dem Verlust eines Kindes helfen sollen. Sie können Minuten, Stunden, Tage oder Wochen dauern.

So normal diese Reaktionen auch sein mögen, so können sie doch von anderen, die mit ihnen nicht vertraut sind, mißverstanden werden. Diese glauben dann, daß Du Dich „ganz gut hälst“, oder daß Du gefühllos bist und unfähig, den Verlust auszudrücken. Was sie nicht wahrnehmen ist, daß Schock, Nicht-Glauben-Können, Leugnung und Erstarrung es Dir überhaupt nur möglich machen, dem tragischen Ereignis ins Auge zu sehen, ohne Kontrolle über Dich selbst zu verlieren.

Unbewußt wirst Du alleine entscheiden, wann Du besser in der Lage bist, mit dem Tod des Kindes umzugehen. Weinen oder ähnliche emotionale Erleichterungen markieren gewöhnlich das Ende der ersten Phase der Trauer. Wenn für Dich der Tod des Kindes eine Realität wird, beginnen in der Regel intensives Leid und körperliche Schmerzen. Während der folgenden Wochen und Monate wirst Du möglicherweise geängstigt von der Intensität und der Verschiedenartigkeit der Gefühle, die Du durchlebst. Weinen, Schluchzen und unablässiges Reden sind ganz normal. Trotz allen erdenklichen Trostes, der Dir angeboten wird, wirst Du Dich sehr alleine fühlen.

Es ist wichtig, daß Du Dir selbst erlaubst, Deine Gefühle vollständig auszudrücken und zwar dann, wenn Du sie empfindest. Versuch nicht, sie zurückzuhalten.

Schuld

Sobald Du zu verstehen versuchst, warum gerade Dein Kind gestorben ist, können Gefühle der Schuld auftauchen. Möglicherweise beschuldigst Du Dich selbst oder Deinen Partner wegen etwas, was Du getan oder unterlassen hast „Wenn nur......“ wird zu einer ständigen Redensart werden. Viele Eltern denken darüber nach, was sie für das Kind noch hätten tun sollen. Manche Eltern fühlen sich schuldig, weil sie dem Kind ein Spielzeug oder eine bestimmte Behandlung nicht zuteil werden ließen.

Bedenke, daß diese Gefühle ganz normal sind, obgleich es keinen rationalen Grund für sie gibt. Es kann außerordentlich hilfreich sein, mit jemandem zu sprechen, der Dir erlaubt, Deine Gefühle auszudrücken und der Dir hilft, die Irrationalität Deiner Schuldgefühle zu erkennen.

Zorn

In Abhängigkeit von Deiner Persönlichkeit werden Deine Gefühle von mildem Zorn bis hin zu rasender Wut reichen. Vielleicht richtet sich Dein Zorn gegen Dich selbst, gegen Deinen Partner, gegen die Ärzte oder sogar gegen das Kind, weil es gestorben ist. Dein Glaube erscheint Dir fragwürdig und Du bist vielleicht zornig auf einen Gott, der zuläßt, daß Kinder sterben.

Diese Gefühle können eine Menge Angst erzeugen, obgleich sie normal sind und von sehr vielen Menschen durchlebt werden. Zorn, der unterdrückt wird, kann eine Menge Zerstörung anrichten. Du kannst Zorn gesund ausdrücken und ihn in verschiedener Weise durcharbeiten: Oft hilft es, an einer einsamen Stelle zu schreien, auf ein Kissen zu schlagen oder intensiv körperlich tätig zu sein.

Angst

Manchmal wirst Du fürchten, daß noch ein weiteres schreckliches Unglück geschehen könnte und wirst überbehütend mit Deinen Kindern umgehen. Gleichzeitig fürchtest Du vielleicht die Verantwortung, die auf Dir als Elternteil lastet.

Depression

Während Du Dich weiter durch Deine Trauer hindurcharbeitest, setzen manchmal Depressionen ein. Bei verschiedenen Menschen können ganz unterschiedliche Erscheinungen auftreten. Manche fühlen sich ständig niedergeschlagen, unglücklich, schwermütig oder traurig; andere haben das Gefühl, sie seien wertlos und hätten Schuld auf sich geladen. Andere wieder fühlen sich ständig schlapp, müde oder teilnahmslos. Das kann die richtige Zeit sein, um sich mit Aktivitäten zu befassen. Vermeide aber, Dich in blinde Aktivitäten zu stürzen, die Dich – ähnlich dem Fortlaufen – dazu bringen, die Realität des Todes Deines Kindes beiseite zu schieben.

Sobald Du damit anfängst, Dich zu erholen, wird sich die Depression langsam lösen. Zeiten, in denen Du ein Tief hast, werden zwar auch weiterhin noch auftreten, aber die Zeitabstände zwischen den „Tiefs“ werden länger werden. Dies ist ein Prozeß, der Jahre dauern kann. Aber Erholung und Lösung werden kommen.

Andere Zeichen der Trauer

Du wirst feststellen, daß der Gedanke an Dein Kind Dich ständig begleitet. Wenn Arme schmerzen, Du das Kind schreien hörst oder Du mit üblichen Versorgungsleistungen für das Kind fortfährst, so sind das ganz normale Erfahrungen trauender Eltern. Vielleicht wirst Du Schwierigkeiten haben, Dich für längere Zeit zu konzentrieren. Vielleicht schweifen Deine Gedanken leicht ab und machen es Dir schwer, zu lesen, zu schreiben oder Entscheidungen zu treffen.

Deine Arme schmerzen Dir vom Halten des fehlenden Kindes, und Du hast vielleicht Schmerzen in der Herzgegend oder in der Magengrube.

Wenn Du das Kind schreien hörst oder Routineaufgaben bei der Versorgung des Kindes weiterhin durchführst, so sind das ganz normale Erfahrungen.

Nachts wachst Du häufig auf, was Dich übermüdet und reizbar macht. Aber selbst wenn Du ausreichend schläfst, kann das Gefühl der Erschöpfung fortbestehen. Oft besteht ein nahezu unwiderstehlicher Drang zu fliehen. Obgleich diese Reaktionen alle ganz normal sind, fürchten Menschen, die sie durchmachen, sie könnten die Kontrolle über sich selbst verlieren. Da kann es manchmal außerordentlich hilfreich sein, wenn Du über Deine Gefühle mit Menschen sprichst, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Du.

Viele haben berichtet, daß sie bereits bei der Pflege eines todkranken Kindes ähnliche Reaktionen erlebt haben, nachdem ihnen die Diagnose mitgeteilt wurde. Die Sorge um das Kind hilft manchen Eltern, die Realität eines möglichen Verlustes zu akzeptieren und lindert den qualvollen Schmerz, wenn das Kind dann stirbt.

Menschen drücken Trauer sehr unterschiedlich aus und viele haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle mitzuteilen. Verwandte und Freunde – genug mit ihrem eigenen Leben beschäftigt – haben vielleicht Schwierigkeiten, mit der Realität des Todes umzugehen oder sind unfähig, dein Bedürfnis nach Fürsorge und Unterstützung zu befriedigen. Für manche Menschen sind Geistliche, Ärzte, Berater und andere Eltern, die ein Kind verloren haben, hilfreicher. In jedem Fall aber ist es wichtig, daran zu denken, daß niemand außer Dir selbst die Trauer zu lösen vermag. Du kannst die Lösung der Trauer nur dadurch erreichen, daß Du sie erlebst, und Dich durch alle diese Gefühle hindurcharbeitest.

Überwindung des Verlustes

Sobald Du die Endgültigkeit Deines Verlustes annehmen kannst, wird es zur Erholung kommen. Du wirst wieder beginnen, eine aktive Rolle zu spielen und Dein Leben wird wieder sinnvoll werden. Der Schmerz des Todes wird weniger intensiv sein – aber er wird nicht vergessen. Geburtstage, Feiertage und der Todestag des Kindes können Phasen von intensivem Schmerz und Leid erneut auslösen; aber im Laufe der Zeit werden diese schmerzvollen Tage seltener werden.

Es gibt keinen festgelegten zeitlichen Rahmen für die Erholung. Laß Dich beruhigen von dem Gedanken, daß die Erholung überhaupt eintreten wird. Der Prozeß schreitet zwar langsam voran, aber er wird überhaupt voranschreiten. Sei geduldig, sei fürsorglich und vor allem; sei liebevoll.

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