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Wie lange dauert in der Regel die Trauer um ein verstorbenes Kind?
Jeder Mensch trauert anders. Von daher ist der Trauerprozess auch sehr individuell. Mit Sicherheit ist die Trauer um ein Kind nicht nach einem Jahr abgeschlossen. Mit dem Kind stirbt ein Stück Zukunft. Damit können sich Betroffene nicht abfinden. Sterben Eltern, so ist dies eine normale Abfolge, mit der man sich eines Tages arrangieren kann. Sterben jedoch die Kinder vor den Eltern, stellt dies die natürliche Reihenfolge auf den Kopf. Damit kommen die Betroffenen im Allgemeinen sehr schwer zu Recht. Es gilt den Tod des Kindes in das eigene Leben mit hinein zu nehmen. Letztlich dauert das bis zum eigenen Tod.
Rita Kullen, betroffene Mutter und Vorstandsmitglied des VEID
Wann können verwaiste Eltern wieder ein normales Leben führen?
Sehr häufig führen verwaiste Eltern kurz nach dem Tod ein für Außenstehende "normales" Leben. Letztlich "funktionieren" viele Eltern, wollen mit dem Tod zurecht kommen oder stark sein für den Partner und die Geschwisterkinder. Irgendwann ist das für viele jedoch nicht mehr möglich. Durch die Trauer verändert sich vieles. Zuerst einmal innerhalb der Familien: die Beziehung zum Partner oder auch zu den lebenden Kindern verändert sich. Jeder muss seinen Platz neu finden. Die Beziehungen zu Freunden und Bekannten ändern sich. Viele müssen die Erfahrung machen, dass Freundschaften zerbrechen, weil sich bisherige Freunde nicht (oder nicht mehr) mit dem Thema Tod auseinandersetzen möchten. Die eigenen Werte verändern sich. Was vorher wichtig war, verliert plötzlich an Stellenwert. Und ganz andere Dinge werden wichtig. Von daher werden verwaiste Eltern nie wieder wie vorher sein, jedoch ist es nach (unterschiedlich) langer Zeit wieder möglich am Leben auch in der Gesellschaft teilzunehmen.
Rita Kullen, betroffene Mutter und Vorstandsmitglied des VEID
Viele Leute tun sich schwer mit Verwaisten Eltern umzugehen. Sie haben Angst die Wunde wieder aufzureißen. Wie kann man sich richtig verhalten?
Verwaiste Eltern denken sehr häufig an ihr verstorbenes Kind. Das Gespräch über das Kind und dessen Tod reißt in der Regel keine Wunde auf, da die Betroffenen sich eh damit beschäftigen. Vielmehr empfinden dies viele Eltern als hilfreich, da ihr Kind nicht auch noch tot geschwiegen wird. Normalerweise sind Gespräche positiv. Jedoch möchten oder können auch nicht alle Eltern über den Tod ihres Kindes reden. Wir empfehlen daher, das Angebot zum Gespräch zu machen. Damit haben die Eltern die Möglichkeit Gespräche zu führen oder auch abzulehnen. Offenheit und Einfühlsamkeit, durchaus auch das Eingestehen der eigenen Probleme mit dem Umgang, sind hilfreich.
Rita Kullen, betroffene Mutter und Vorstandsmitglied des VEID
Gibt es Unterschiede in der Trauer von Vätern, Müttern und Geschwistern?
Es sind sehr wohl Unterschiede feststellbar. Ob diese Unterschiede jedoch männer- oder frauenspezifisch oder aber einfach persönlichkeitsspezifisch sind, bleibt dahingestellt. Maßgebend ist, wie jeder Einzelne mit seinen Gefühlen umgeht und seine eigene Trauer zulässt. Bei Geschwistern ist noch zu beachten, dass neben dem Tod des Bruders oder der Schwester auch die Beziehung zu den Eltern anders wird. Viele Kinder versuchen stark zu sein und ihre Eltern noch zu trösten. Kinder brauchen häufig auch für ihre Trauer das Zulassen der Trauer durch die Eltern. Sie orientieren sich oft unbewusst an den Eltern. Wenn Eltern die Trauer zulassen und über ihre Trauer reden, ist es für viele Kinder hilfreich, ebenfalls die Trauer zu leben. Je nach Alter äußert sich die Trauer der Kinderunterschiedlich, häufig auch in Bildern.
Rita Kullen, betroffene Mutter und Vorstandsmitglied des VEID
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