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Verloren im Leben
Ich habe mein drittes und jüngstes Kind Maximilian am 23.01.2002, kurz vor seinem dritten Geburtstag, total unerwartet und bis heute unfassbar v e r l o r e n . Laut Aussagen der Ärzte hatte er eine Lungenentzündung und vermutlich einen Virus, der nicht erkannt wurde. Niemand weiß?es genau, da wir einer Obduktion nicht zustimmen konnten und diese Entscheidung nicht bereuen, obwohl mich manchmal so viele Fragen quälen und ich die Ursache wissen möchte. Es kam alles so plötzlich. Obwohl ich rückblickend mir so viele Vorwürfe gemacht habe, es nicht richtig bemerkt zu haben, ... nicht auf noch mehr und genauere Untersuchungen der Kinderärztin gedrängt zu haben ... sondern ihr vertraut zu haben.
Dann dieses übermächtige WARUM ? .... WARUM mein Kind ? .... WARUM nur ? Doch ich musste sehr bald erkennen, dass mich dieses WARUM so aufzufressen droht, dass ich es für mich nicht mehr zulassen darf. Nur manchmal noch flackert es in mir auf. Sehr bald schon, im März 2002, war ich das erste Mal bei den „Verwaisten Eltern“?in Schmalkalden. Obwohl ich diesen Kontakt innigst suchte, fiel mir das erste Treffen so unheimlich schwer, dass ich dachte, ich könne nie wieder dahin. Doch ich brauchte es immer und immer wieder. Noch heute versäume ich kein Treffen in Schmalkalden, obwohl ich jetzt selbst eine Gruppe in Bad Salzungen betreue. Verloren im Leben ... alle Brücken unter mir zerbrochen, alles ohne Halt, so würde ich meinen Zustand in der akuten Trauerzeit bezeichnen. Doch auch heute noch bin ich irgendwie verloren im Leben. Für meine Auß?nwelt funktioniere ich, doch in mir drin ist alles wie ein Karussell, dass sich mal schwindel- und furchterregend dreht und mich mal etwas zur Ruhe kommen lässt. Doch ich kann es nicht wirklich selbst steuern; es wechselt stets ohne mein Zutun. Von einer Sekunde zur nächsten ein Wechselbad der Gefühle; vom Lachen zum durchbohrenden Schmerz. Mein Umfeld nimmt das alles nicht wahr, kann es ja gar nicht. Doch manchmal möchte ich mein ganzes Leid und meine unendliche Sehnsucht nach meinem geliebten Kind aus mir rausschreien . . . Doch wer will es hören ? ! Im Gegenteil, Totschweigen oder gedankenloses Daherreden im Familien- u. Bekanntenkreis bohren mir immer wieder Verletzungen und Demütigungen wie lauter kleine Pfeilspitzen ins Herz. Ich verspüre oft den Wunsch, wie verrückt auf einen Sandsack einzuschlagen bis zur totalen Erschöpfung ... einfach nichts mehr spüren zu müssen, nicht diesen ständigen tiefsitzenden Schmerz in mir. Doch es gibt auch Momente, in denen ich fast glücklich sein kann. Wenn ich stundenlang durch Wald und Wiesen streife ?ganz eins mit der Natur - einen kleinen Schmetterling sehe ... einen warmen Sonnenstrahl ... dann bin ich meinem Maxi so nah ... spüre seine Liebe in mir. . . Verloren im Leben ... und doch irgendwie gefunden im Leben . . . neu entdecken ... Stück für Stück ... immer wieder Mein mir noch verbleibendes Leben erscheint mir trotz allen Schmerzes wie eine Herausforderung zu etwas Neuem . . . wie der Beginn eines Übergangs zu meinem Kind . . . wie (m)eine Brücke zum Licht
In Liebe Ina Köhler mit Maxi im Herzen
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