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Es ist verständlicherweise schwierig, dem Rettungsdienstpersonal Ratschläge für den Umgang mit dieser Grenzsituation des Lebens zu geben. Deshalb kann hier auch kein festes allgemeingültiges Handlungsschema aufgezeigt werden, wohl aber ein kurzer Überblick, über das, was Betroffene im Umgang mit dem Rettungsdienst als hilfreich oder aber gar als unangenehm empfunden haben. Es ist gängige Praxis, die Angehörigen möglichst vom Einsatzgeschehen fernzuhalten. Wenn es aber irgendwie möglich ist, sollten die Eltern umgehend zur Unfallstelle gerufen werden und dort bleiben dürfen. Den Eltern fehlen später schmerzlich diese Stunden, in denen sie nicht bei ihrem Kind sein konnten und es entstehen Schuldgefühle, weil das Kind in dieser Zeit allein gelassen wurde. Die Ungewissheit ist Nährboden für Phantasien, die eine Verarbeitung der Ereignisse erschweren oder ganz verhindern können. Versuchen Sie die Angehörigen mit in den Einsatzablauf zu integrieren.
Vielleicht ist es machbar, dass Angehörige die Hand streicheln. Es wird später das Gefühl geben, etwas für das Kind getan zu haben. Wenn den Eltern die Mitfahrt im Rettungswagen mit Hinweis darauf, dass diese momentan nichts für ihr Kind tun können, verwehrt wird, so ist dies einerseits zwar verständlich, andererseits gibt es den Angehörigen das Gefühl, ihr Kind in dieser schlimmen Situation allein zu lassen. Trennen Sie die Eltern nicht von ihrem Kind und ermöglichen Sie die Mitfahrt ins Krankenhaus im Einsatzfahrzeug. Es ist leider eine Tatsache, dass in einigen Rettungsdienstbereichen sogar Dienstanweisungen existieren, die eine solche Praxis ausdrücklich untersagen. Hier ist von den verantwortlichen Führungskräften ein Überdenken dieser Anweisung wünschenswert.
Genauso wichtig ist es aber auch für die Eltern, das sie das tote Kind noch einmal sehen und berühren können. Ermöglichen Sie den Angehörigen und Hinterbliebenen jenseits der üblichen Einsatzroutine den Platz und Raum zum Abschiednehmen.
Wenn ein Kind zu Hause verstirbt, ist darauf zu achten, dass das tote Kind und die Familie würdevoll zu behandeln sind. Die Unsicherheit der Einsatzkräfte, die emotional selbst betroffen sind und die professionelle Distanz können sehr schnell bei den Angehörigen den Eindruck erwecken, dass dies nicht so ist. Die Einsatzstelle sollte erst verlassen werden, wenn die zuständigen Stellen, wie Polizei, Notfallseelsorger oder ein Kriseninterventionsteam eingetroffen sind und die Angehörigen weiter betreuen können.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Rettungsdienstpersonal gefordert und sollte den Angehörigen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und auf die vielfältig möglichen Trauerreaktionen angemessen reagieren.
Wurde ein Kind ins Krankenhaus transportiert, werden die Angehörigen in der Regel in einen separaten Raum gebeten, in dem sie oft stundenlang hilflos warten und hoffen, um dann endlich über den Tod ihres geliebten Kindes informiert zu werden.
Auch wenn das Rettungsdienstpersonal primär gezwungen ist, die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen, so kann der Kontakt zu den wartenden Familienmitgliedern deren Trauma verringern und dabei helfen, die Nachricht vom Tod ihres Kindes zu akzeptieren. Versuchen Sie den Kontakt zu den zuständigen Verantwortlichen im Krankenhaus herzustellen und lassen Sie die Angehörigen in dieser Situation nicht allein. Zumindest der Notarzt sollte in jedem Fall beim Tod eines Kindes oder Jugendlichen seinen Namen und seine Telefonnummer hinterlassen, damit die Familie später die Möglichkeit hat anzurufen, falls noch Fragen offen sind. Oft begleiten quälende Gedanken den Trauerprozess der Eltern jahrelang, weil sie nicht genau wissen, was in den entscheidenden Minuten oder Stunden des Todes ihres Kindes passiert ist. Das Schließen dieser Lücke im Zusammenleben mit dem eigenen Kind ist aber erforderlich, um Trauer und den Abschied verarbeiten zu können. Sind keine Angehörigen erreichbar, so sollte das medizinische Rettungspersonal über andere Stellen, wie beispielsweise die Polizei oder Notfallseelsorge Namen und Telefonnummer für Nachfragen der Hinterbliebenen hinterlassen. Eltern die keinen Ansprechpartner kennen, werden es ansonsten schwer haben, später im Falle von Nachfragen den Kontakt zum Rettungsdienstpersonal herzustellen. Jede offene Frage regt zur Phantasie an, die oft die grausame Realität übertrifft. Ein Nachgespräch mit dem Notarzt kann vielleicht manche der quälenden Fragen beantworten. Was ist passiert? Wann ist mein Kind gestorben? Hat es gelitten? Werden später über die Medien Details vom Tod des Kindes bekannt, so sollten die Eltern auf jeden Fall vorher als erste darüber informiert worden sein. Allzu oft werden solche Einzelheiten den Eltern zunächst verschwiegen, um diese vermeintlich zu schonen. Es ist aber viel grausamer, wenn die Eltern diese Details dann erst aus der Presse erfahren.
Aus: Rettungsdienst Journal
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