Letzte Aktualisierung:  24.08.2010

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Erstellt von: W.Zimmermann

Liebe Ersthelfer!

Dies haben wir Eltern als sehr hilfreich erlebt:

  • Es war gut, dass der Polizist in einem sehr persönlichen Gespräch die Todesnachricht überbracht hat, dass er Zeit hatte, dass er Angehörige, den Hausarzt, den Pfarrer, die Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes informierte...
  • Dass er solange geblieben ist, bis jemand anderer bei uns war...
  • Es war wichtig für uns (mich), das tote Kind noch einmal zu sehen, zu berühren, zu riechen. Es war wichtig, uns Zeit zu lassen, um uns von unserem toten Kind Abschied nehmen zu lassen, den Sarg noch einmal zu öffnen...
  • Es war gut für uns, dass wir unser Kind selbst waschen, anziehen und betten durften. Es war unser letzter Liebesdienst, den wir leisten konnten...
  • Es war wichtig für uns, dass wir Telefonnummer des Zugführers, des Autofahrers, des Notfallarztes bekommen haben. Er hat mein Kind in den letzten Augenblicken seines Lebens gesehen und konnte davon erzählen...
  • Es hat gut getan, dass der Notarzt, der Polizist, der Seelsorger ... auch noch später bei uns vorbeigeschaut und nachgefragt haben, wie es uns ging, dass sie einfach nur gekommen sind, nicht viel geredet haben, nur da waren.

Dies hätten sich Eltern gewünscht und bitten darum, dass die Ersthelfer dies bei anderen Todesfällen beachten:

  • Bitte Vorsicht mit Pressemitteilungen über den Tod bzw. Unfall. Bedenken Sie bitte bei Fotos, welch schreckliche Phantasien sie in uns Angehörigen auslösen können bezüglich des Leidens unserer Kinder...
  • Wir möchten sofort zur Unfallstelle gerufen werden und dort bleiben dürfen. Bitte haltet uns nicht fern, aber begleitet, unterstützt uns, gebt uns, wenn möglich, kleine Aufgaben. Bezieht uns, wo immer möglich, in das „Rettungsgeschehen“ mit ein. Vielleicht können wir den Kopf halten, die Hand streicheln ... Es wird uns später das gute Gefühl geben, etwas für unser Kind getan zu haben...
  • Lasst uns bitte im Rettungswagen mit ins Krankenhaus fahren. Trennt uns nicht von unserem toten Kind...
  • Wenn wir nicht dabei sein können, macht Fotos von unserem toten Kind, damit wir später noch die Möglichkeit haben, unser Kind zu sehen und das Unbegreifliche besser zu begreifen. (Bitte diese Fotos aber nicht kommentarlos zusenden, sondern persönlich aushändigen!)...
  • Wir sind dankbar für konkrete Informationen: wohin wird unser Kind gebracht, was müssen/ können wir tun oder veranlassen; wer ist am Wochenende zuständig; was geschieht in der Pathologie mit unserem Kind? Warum muss es noch einmal umgezogen werden, wenn doch die Kleidung sauber ist (Motorradanzug)...
  • Wir möchten alle Details des Unfallhergangs erfahren: Was ist wie passiert; wann ist mein Kind gestorben; hat es gelitten? Wir wären froh gewesen um das Angebot eines Nachgespräches mit dem Notarzt, mit Unfallzeugen u.a. – sie hätten uns vielleicht manche unserer quälenden Fragen beantworten können. Wir möchten – zumindest auf Nachfrage – ehrliche Auskunft über den Sachstand, z.B. bei der Ermittlung des Unfallgeschehens, der Todesumstände erhalten. Es ist grausam, Details aus der Presse zu erfahren oder aus Tratsch. Es sind unsere Kinder – und wir wären gern als erste über alles informiert, was unsere Kinder betrifft. Wenn ihr meint, uns „schonen“ zu müssen, so bedenkt bitte: Jede offene Frage regt unsere Phantasie an, die oft die grausame Wirklichkeit übertrifft. Je genauer wir wissen, was, wann, wie, warum geschah, je eher können wir beginnen zu trauern, zu begreifen: ja, es ist und bleibt tot. Zu beginnen mit einem Weiterleben ohne unser Kind...
  • Es kann hilfreich sein, wenn uns der Personalausweis und die persönlichen Sachen nicht sofort ausgehändigt werden. Stattdessen möchten wir uns „das Letzte, was uns blieb“ gern zu einer für uns passenden Zeit abholen dürfen: bei einem Mitarbeiter, der sich Zeit nimmt für uns und unsere Fragen – in einem Raum außerhalb der hektischen Routine...

Liebe Ersthelfer!

Euer Beruf bringt Euch in Extremsituationen, wenn Ihr mit dem Tod eines jungen Menschen konfrontiert seid. Es wird Euch nicht nur professionelle, sondern vor allem menschliche Größe und Reife abverlangt. Auch wenn wir Eltern in unserem eigenen Schmerz dies nicht so sehen und zum Ausdruck bringen – wir sind Euch sehr dankbar dafür! Habt Dank für Eure Nähe in den schwersten Situationen unseres Lebens!

Eure Verwaisten Eltern

(Abschrift aus VERWAISTE ELTERN 1997/ 98)

Anregungen und Hinweise senden Sie bitte an: webmaster@veisth.de

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