|
Leitgedanken der Betreuung im Großschadensfall:
Kinder sollten bei ihren Eltern bleiben bzw. rasch zu ihnen gebracht und auch von ihnen betreut werden.
Ist dies nicht möglich, sollten Kinder in Sicherheit und gemeinsam mit anderen Kindern zu hilfreicher Aktivität angeleitet werden.
Grundsätzliche Hinweise:
- Kinder sind kleiner als Erwachsene – und werden deshalb häufig übersehen!
- Kinder zeigen häufig und in verschiedenster Hinsicht ungewöhnliche sowie vor allem unerwartete Aktionen, die bei unvorbereiteten Helfern Irritationen und Verwunderung auslösen können.
- Gerade körperlich unverletzt betroffene Kinder, die eine Notfallsituation miterlebt haben, sind besonders betreuungsbedürftig: Sie entwickeln häufiger psychische Folgeschäden als verletzte oder erkrankte Kinder!
- Nachsorgemaßnahmen sind zu empfehlen; und das Verhalten von Kindern nach einem Notfallgeschehen sollte zumindest aufmerksam beobachtet werden, um die Entwicklung evtl. behandlungsbedürftiger Folgeschäden frühzeitig erkennen zu können.
- Grundsätzlich gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen; sie erleben Notfallsituationen unter Umständen völlig anders als Erwachsene. Mit diesem Merkblatt sollen nun einige Anregungen für die Betreuung von unverletzt betroffenen Kindern in Großschadensfällen gegeben werden. Eine umfassende Ausbildung kann durch dieses Merkblatt natürlich keinesfalls ersetzt werden!
PUMUCKEL: Regeln zur Betreuung
Planung
Die Erfahrung hat gezeigt, dass die besonderen Bedürfnisse von Kindern in einem Großschadensfall oftmals unberücksichtigt geblieben sind. Zudem wurden gerade die unverletzt betroffenen Kinder regelrecht übersehen und dementsprechend überhaupt nicht betreut. Von daher ist zu fordern, in allen Planungen für Notfallsituationen explizit und umfassend eine Kinderbetreuung einzuplanen!
Unterbringung
Erstens soll die Unterbringung bzw. Betreuung von Kindern in Sicherheit stattfinden können, d.h. nach Möglichkeit in einem relativen Abstand zum eigentlichen Schadensgebiet und idealerweise in einem abgeschirmten, beheizten und lärmgeschützten Raum.
Zweitens sollten betreuungsbedürftige Kinder niemals von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen getrennt werden: Im zweiten Weltkrieg erlitten z.B. Kinder, die zum Schutz vor alliierten Angriffen ohne ihre Eltern in Erholungsheime auf dem Land evakuiert worden waren, häufiger psychische Folgeschäden als Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern massive Bombenangriffe miterlebten!
Materialbeschaffung
Vorzuhalten sind Ersatzbekleidung in Kindergrößen, Malstifte und Zeichenblöcke, Knetmasse, Kindermusik auf Kassetten sowie einige Süßigkeiten (siehe weiter hinten).
Unterstützung
In vielen Fällen entwickeln Kinder spontan und unaufgefordert eigene und oftmals sehr hilfreiche Ideen, um das Geschehen zu bewältigen. Vorschläge und Anregungen von Kindern sollten deshalb ernst genommen und nach Möglichkeit umgesetzt werden.
Coordination
Die Betreuung von Kindern im Großschadensfall muss gut koordiniert werden. Diese Aufgabe sollte eine Person übernehmen, die einsatztaktisch bzw. führungstechnisch und pädagogisch zugleich qualifiziert ist (z.B. Erzieher, Lehrer oder Pädagogen mit Gruppenführerausbildung).
Kameradschaftlichkeit
Eine Gruppe von Kindern kann sich untereinander oftmals selbst sehr gut stützen, und konstruktives Miteinander von Kindern wirkt sich meist sehr hilfreich aus: Kinder sollten demnach gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten können, und sie sollten ausdrücklich füreinander Verantwortung tragen. Dies kann (bei älteren Kindern) z.B. anhand konkreter Regeln vermittelt werden. (Ihr müsst jetzt gut aufeinander aufpassen!)
Eigenaktivität
Jedes eigene Tun von Kindern mindert ihre Hilflosigkeit. Insofern sollte Aktivität initiiert und ermöglicht werden. Eine Möglichkeit besteht etwa darin, Kinder aufzufordern, doch ein Bild für die Männer und Frauen von der Feuerwehr zu malen. Die Bilder könnten sogar noch am Einsatzort an Feuerwehrleute übergeben werden, die sich gerade am Rand des Geschehens oder in einem Aufenthaltsraum ausruhen.
Lob, Leckerein und Lieblingsspielzeuge
Hilfreiches Verhalten von Kindern sollte ausdrücklich positiv verstärkt, d.h. gelobt werden. Süßigkeiten wirken meistens ein wenig beruhigend, und typische Lieblingsspielzeuge (insbesondere Stofftiere) haben fast immer eine positive Wirkung.
|