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Die ersten Tage und Wochen
In der ersten Zeit nach einem Tod sind besonders ganz praktische Handlungen hilfreich. Der Betroffene hat häufig wenig Kraft, er ist mit sich, mit der Beerdigung, den Papieren, die erledigt werden müssen und seinen Gefühlen beschäftigt. Ein Suppentopf oder ein Salat vor die Tür gestellt, das Putzen der Treppe oder der Wohnung, das Zusammensein mit den Kindern, Einkaufen, einen Blumenstrauß vorbeibringen oder ein kleines schriftliches Zeichen, dies sind Gesten, die den Trauernden in der ersten Zeit besonders erreichen.
Briefe, in denen steht, was der Verstorbene einem bedeutet hat, in denen seine Einmaligkeit zum Ausdruck kommt, welche Spuren er in andern hinterlässt, sind kostbare Zeichen, die Teilnahme und Wärme vermitteln.
Auch Briefe, in denen Sie auszudrücken versuchen, wie der Trauernde sich fühlen mag, sind „ Lichtzeichen in der Dunkelheit“. Der Trauernde fühlt sich dann nicht mehr ganz so alleine, sondern erfährt: Da ist jemand, der versucht, mich zu verstehen, jemand, der keine Angst hat vor meinem Leid und meinem Schmerz.
Viele Trauernde können in der ersten Zeit nicht lange alleine sein, der Schmerz überrollt sie, und sie haben Angst, daß er sie ganz überwältigt. Es ist gut, sich immer mal wieder kurz bei dem anderen zu melden, sei es durch einen Telefonanruf oder einen gemeinsamen Spaziergang. Die Begegnung muss gar nicht lange sein, denn oftmals strengt das Beisammensein den Trauernden auch an.
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Einige Gedanken an die Begleiter und Helfer
Vielleicht lesen Sie diese Zeilen in einer Zeit, in der Sie selber nicht direkt betroffen sind, also nicht einen nahestehenden Menschen verloren haben. Möglicherweise beschäftigt sie eher die Frage: „Wie kann ich meiner Nachbarin helfen, die gerade ihren Mann verloren hat, oder einem Freund, dessen jüngstes Kind ganz plötzlich gestorben ist?“ Oder sie fragen sich, wie sie jemanden überhaupt begegnen sollen, der gerade eine Zeit tiefer Trauer durchlebt.
Sterben und Tod lösen in den meisten von uns Gefühle der Unsicherheit, der Angst und Hilflosigkeit aus. Wir scheuen häufig die erste Begegnung mit dem Betroffenen und wissen nicht, was wir sagen sollen. Wir möchten am liebsten auf die andere Straßenseite wechseln, wenn wir den anderen sehen. Eine andere Stimme in uns sagt uns aber auch, daß wir gerne auf ihn zugehen würden, um ihm zu helfen.
Nehmen Sie zuerst ihre eigene Hilflosigkeit wahr und an. Es tut gut sich nicht dagegen zu wehren und echt sein zu dürfen.
Aus dieser Haltung heraus fällt es uns dann meistens leichter, auf den anderen zuzugehen, auch wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Es kann sein, daß es auch keines Wortes bedarf, sondern vielmehr ein warmer Händedruck, eine Umarmung oder ein Blick das zu sagen vermag, was uns mit Worten so schwer fällt.
Es ist für den anderen ganz sicher hilfreicher, wenn wir selbst echt sind, und das kann heißen, daß wir unsere Hilflosigkeit bekennen oder in unserer tiefen Berührtheit unsicher ein paar Worte stammeln. Hier spricht unser Herz, und das ist das Entscheidende. Alle Floskeln oder leeren Beileidsbekundungen werden eher als unpassend oder verletzend empfunden. Das, was wir sagen, kann einfach und kurz sein, es braucht in einer solchen Situation meistens nicht vieler Worte. Wenn es ihnen passend erscheint, können sie den Trauernden auch fragen, ob es irgend etwas gibt, was Sie für ihn tun können, oder ob Sie vielleicht in einiger Zeit einmal bei ihm anrufen dürfen. Es ist besser, wenn sie anrufen, denn der Betroffene hat oft von sich aus nicht die Kraft den Kontakt aufzunehmen, auch wenn er ihn dringend brauchen würde.
Auch wenn der Trauernde Ihnen auf direkte oder indirekte Weise vermittelt, daß er gegenwärtig nicht fähig zu einem Kontakt ist, versuchen Sie das nicht als Ablehnung ihrer Person zu verstehen, sondern als einen Ausdruck der Befindlichkeit des Trauernden zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
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Ich nehme dich so an wie du bist....
Wichtig ist es, daß wir dem anderen zeigen, daß wir ihn so annehmen, wie er ist: in seiner Verzweiflung, in seinem Schmerz, in seiner Wut – in all seinen Gefühlen. Der andere darf trauern, wie es ihm entspricht. Vielleicht verdrängt er, vielleicht weint oder wütet er. Es ist sein Weg, und wir begleiten ihn. Manchen Menschen tut es gut, dieses Angenommensein nicht nur durch Worte zu erfahren, sondern auch durch körperliche Nähe, indem wir sie in den Arm nehmen, sie halten, ihre Hand berühren, ihre Tränen abwischen. Spüren Sie, was für sie und den anderen stimmt. Wenn sie unsicher sind, ist es besser, auch dies auszusprechen und zu fragen, als sich hinter „klugen Sätzen“ zu verstecken. So z.B.: „Ich bin so unsicher, am liebsten würde ich dich in den Arm nehmen, aber ich weiß gar nicht, wie das für dich ist...“.
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Miteinander teilen....
Häufig tut es dem Trauernden gut, vom Verstorbenen, von gemeinsamen Erinnerungen zu sprechen oder Fotos anzuschauen, mal unter Tränen und Schmerz, mal mit Lachen und Dankbarkeit.
Vielleicht ist es gut, sich immer wieder daran zu erinnern, daß wir den anderen auf seinem Weg begleiten, denn wir erfahren, daß der Trauernde wenig von uns aufnehmen und teilnehmen kann. Er ist so intensiv mit dem Eigenen beschäftigt, daß da kein Raum bleibt.
Für den Trauernden ist das Erfahren von Freundschaft jetzt besonders bedeutsam. Wenn zum Beispiel der Partner oder die Partnerin gestorben ist, können Freunde zunächst die einzige Anbindung an das Leben sein. Freund sein, das bedeutet ein naher, verständnisvoller und zugewandter Mensch sein. Das kann ein Familienangehöriger, ein vielleicht noch gar nicht lang gekannter Mensch oder auch tatsächlich ein langjähriger Freund sein. Auch hier ist es wichtig, zu erspüren, wen der Trauernde in seinem Herzen wählt, und unter Umständen einen zweiten oder dritten Platz ohne Groll einzunehmen, wenn wir sehen, das wir nicht der oder die „Auserwählte“ sind.
Für den Trauernden kann das Gefühl: „Ich bin für andere noch wichtig“, helfen, Sinnhaftigkeit zu empfinden, einen Sinn, wo zunächst einmal aller Sinn verloren scheint.
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Vom Unterschied
Für den, der nicht so sehr von dem Verlust betroffen ist verblasst das Geschehen häufig nach einigen Monaten. Anders aber für den, der einen geliebten Menschen verloren hat. Die Trauer kommt nach Zeiten der Beruhigung oft mit unverminderter Heftigkeit oder sogar noch stärker hervor. Es ist manchmal für den Helfer schwer zu verstehen, daß die schmerzhaften und traurigen Gefühle über lange Zeit erst einmal zunehmen können. Da geraten wir schnell an unsere Grenzen, da unser Zeitmaß des Erlebens ja ein ganz anderes ist.
Auch der 2.,3.,4. Todestag oder Geburtstag sind schwere Tage, in denen die Trauer mit großer Stärke wieder aufbrechen kann. Wenn wir das mitbedenken, können wir dem Trauernden in diesen schweren Tagen begleiten, vielleicht durch einen Brief, einen Anruf oder ein Gespräch.
Die Begleitung von trauernden Menschen ist nicht immer leicht, wir brauchen viel Geduld. Wir müssen uns zurücknehmen, und manchmal scheint es uns, als ob die Trauer nicht enden will. Da ist es gut, mit sich selbst ehrlich zu sein und auch eigene Grenzen anzuerkennen.
Auf der anderen Seite lernen wir als Begleiter sehr viel. Wir haben die Chance zu wachsen und zu reifen und erfahren durch unser Tun Sinn.
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